Inzwischen schon fast traditionell brechen einige RuN Sportler Richtung Eisenach auf, um am größten Crosslauf Europas teilzunehmen.
Dieses Jahr ist es am 20. Mai knapp vor 6 Uhr soweit. Drei RuN Sportler, Karsten, Winfried und Klemens und eine „Gastläuferin“ der LG Wien, Carola, treten die gemeinsame Reise zu unseren Lieblingsnachbarn an.
Dank der unbezahlbaren Deutschlandreise Routine von Karsten vergeht die Reise fast wie im Fluge und wird lediglich durch die eine oder andere Pinkelpause unterbrochen. Aber so solle es ja auch sein am Vortag vor einem langen Lauf, trinken und pinkeln ohne Ende.
Nach etwa sieben Stunden Fahrt erreicht die hochmotivierte Truppe die Villa „Kesselring“ in Eisenach, für Karsten und Klemens die traditionelle Unterkunft bei diesem Lauf. Nach dem Zimmer beziehen geht es hinunter in den Ort, zum einen, um den Hunger zu stillen, in der traditionellen Pizzeria mit den traditionellen Speisen, Pizza Sophia Loren für Karsten und Seelachs mit Nudeln in Oberssauce für Klemens, streng nach dem Motto: Never change a winning Team.
Nach dem Essen werden die Startnummern ausgefasst, das traditionelle Bierglas gekauft und nach einer kurzen „Zimmerstunde“ der gemeinsame Lauf auf die Wartburg gestartet, schließlich sollen die Beine noch etwas durchbewegt werden.
Was den Wienern der Kaiserschmarrn sind den Thüringern ihre Klösse, natürlich wollen auch diese genossen werden und so wird das Carboloading mit Köstritzer Bier für Karsten und Winfried, Cola für Klemens und Wasser für Carola und einer großen Portion Klösse mit Rotkraut und Fleisch für jeden beendet.
Für Karsten und Klemens endet das Carboloading erst im Zimmer mit jeweils einem halben Sackerl Dragee Keksi. Die ideale Ernährung für Ulraläufer: Wenn ich nur aufhören könnt!
Am Samstag startet der Tag um 4:30 Uhr mit Frühstück, anschließend kommen die obligatorischen Boxenstopps am Clo und die üblichen Startvorbereitungen. Carola und Winfried brechen ca eine halbe Stunde vor Start auf, Karsten und Klemens lassen sich etwas mehr Zeit, erreichen das Startgelände aber noch Zeitgerecht ca 5 Minuten vor sechs Uhr, also noch rechtzeitig für die obligatorischen Ansprachen und das Mitsingen des „Rennsteigliedes“.
Punkt sechs Uhr erfolgt der Startschuss, Karsten und Klemens starten aus der zweiten Reihe, Carola und Winfried etwas weiter dahinter. Wie bei jedem Lauf gibt es einige Läufer, die die 1000m Sprintwertung gewinnen wollen, da es aber relativ rasch bergauf geht, beruhigt sich das Feld sehr schnell, Karsten und Klemens pendeln sich in etwa um Platz zehn ein und starten in einem ruhigen und gemächlichen Tempo. Karsten läuft eher mit Kilometerzeitvorgaben, Klemens mit seinem Ultralauf mantra: Ruhig und bedächtig und der Vorgabe, der Puls soll so lange wie möglich unter 160bpm bleiben.
Bis KM 10 laufen Karsten und Klemens gemeinsam, eher Karsten das Tempo ein bißchen erhöht, aber stets in Sichtweite von Klemens bleibt, der sich bemüht, ruhig und bedächtig zu laufen. Bis Kilometer 25 geht es stetig bergauf, kostet den beiden Run Sportlern aber nicht allzu viel Kraft, ganz im Gegensatz zu mach anderen Läufern. Nach der ersten großen Bergabpassage schließt Klemens bis auf ca 100m auf Karsten auf, bergauf wird der Abstand immer etwas größer, bergab wieder kleiner. Bis Km 37 geht dieses Teaminterne „Catch me if you can“, ehe Karsten bei einer „Jausenstation“ beschließt, ein Glas mehr zu kippen und gemeinsam mit Klemens weiterzulaufen. Inzwischen sind beide auf den Plätzen 6 und 7. Aber mit Fortdauer des Rennens werden die Konkurrenten eingesammelt, ehe etwas bei Kilometer 42 eine dreier Gruppe mit dem Favoriten Christian Storck vor den Augen der beiden auftaucht. Ohne das Tempo zu erhöhen wird weitergelaufen und bei Km 45 wird die Gruppe gestellt und Karsten und Klemens finden sich plötzlich auf den Plätzen zwei und drei. Karsten wird in der Zwischenzeit vor allem beim Bergablaufen von „Spatzen“ in den Waden begleitet und so opfert er sich für das Team, drosselt das Tempo, lullt die Favoritengruppe ein, verwickelt sie in Gespräche, so dass Klemens heimlich still und leise das Weite suchen kann. Inzwischen steht die Sonne hoch am Himmel, der Schatten zwischen Km 50 und 60 eher rar, aber bei Klemens läuft es bis dato ganz ausgezeichnet. Die Infos über den Abstand zum ersten sind sehr unterschiedlich und bewegen sich zwischen 5 und 2 Minuten. Daher beschließt Klemens zuerst mal ruhig weiterzulaufen und abzuwarten. Karsten quält sich in der Zwischenzeit mit immer stärker werdenden Krämpfen aber er hat die Gewissheit, dieses Jahr das Ziel in Schmiedefeld zu sehen.
Knapp vor Km 60 bekommt Klemens die Info von einem Zuschauer, dass der führende gerade eben erst vorbeigekommen sein, ein kurzer Blick nach vorne läßt tatsächlich den führenden Erkennen. Das gibt Kraft und Motivation, auch wenn inzwischen die Beine nicht mehr ganz so frisch sind. Klemens bleibt bei seinem Tempo, läßt sich nicht zu einem Zwischenspurt hinreißen schließt dennoch noch vor der letzten Bergwertung auf den Führenden Mathew Lyan auf und übernimmt relativ unspektakulär die Führung. Nun wird er sich zum ersten mal bewußt, dass ein Sieg nicht ganz unrealistisch ist. Dennoch versucht er nicht übermütig zu werden und die letzten 10km begab ruhig rollen zu lassen, zumal die Adduktoren beider Beine schon Ermüdungserscheinungen zeigen und ab und an zu krampfen beginnen. Klemens kann aber jeden Krampf rauslaufen, ohne stehen bleiben zu müssen oder das Tempo drosseln zu müssen. Als bei Km 68 der Himmel über Schmiedefeld zu weinen beginnt ist sich Klemens sicher, den Sieg nach Wien mitzunehmen. Nach 5:29:54 ist es vollbracht und Klemens überläuft die Ziellinie in Schmiedefeld. Völlig unerfahren ist er völlig überrascht, von der Zahl an Kameras und Personen, die alle etwas von einem Wissen wollen. Aber zu diesem Zeitpunkt ist das völlig egal, den der erste Sieg bei einem großen Ultralauf und Ultra-Europacuprennen ist gelungen.
Karsten quält sich mit mehr oder weniger starken Krämpfen bis ins Ziel, bergauf geht’s gut, bergab ist es eine Qual und die letzten 10km gehen leider bergab. am Ende reicht es für Karsten zu nicht ganz angestrebten aber doch aufgrund der Probleme zufriedenstellenden 5:53:24 und einem ausgezeichnetem 7 Gesamtrang und 3. Altersklassenrang.
Die zweite Sensation an diesem Tag liefert Carola, die trainiert und begleitet von Winfried, die bis dato eher verkorkste Laufsaison mit einem souveränen Sieg bei den Damen krönt in hervorragenden 6:36:12.
Der Rest des Tages ist für alle vier Protagonisten ein Genuss, Köstritzer, Wasser, Kuchen, Kaffee und Würste ohne Ende im Zelt der Ehrengäste. Viele „schöne“ Preise und Geschenke bei der Siegerehrung und ein ganz ganz ausgezeichnetes und ebenfalls traditionelles Eis am Abend in Eisenach.